90-Tage-Plan zur PPWR-Bereitschaft

Einleitung

Die PPWR gilt seit dem 12. August 2026. Wer heute beginnt, arbeitet nicht auf eine Frist zu, sondern holt eine bereits laufende Pflicht ein — mit dem Unterschied, dass die Behörden Unterlagen jetzt jederzeit anfordern können und die Frist zur Vorlage 10 Tage beträgt.

Der Plan bleibt derselbe, seine Dringlichkeit hat sich verschoben: Die zwölf Wochen unten führen von der Portfolio-Aufnahme zur unterzeichneten Konformitätserklärung. Die meisten 400-SKU-Portfolios beginnen die Arbeit in Excel, stoßen um Tag 30 an die Grenze und bauen bis Tag 60 auf einen echten Arbeitsablauf um.

01 · Das Drei-Phasen-Modell

PhaseTageInhalt
11–30Portfolio-Kartierung und Beginn der Lieferantenansprache
231–60Datenerhebung, Einstufung, Entwürfe der Erklärungen
361–90Schließen des Prüfpfads und Produktivsetzung

Warum 90 Tage und nicht 30 oder 180

30 Tage sind zu kurz für den Lieferantenzyklus. Eine Anfrage läuft zwei bis sechs Wochen. Wer am Tag 1 Lieferantenschreiben versendet, kann vollständige Daten frühestens am Tag 14 erwarten — realistisch im Median am Tag 42.

180 Tage sind zu lang für eine bereits geltende Pflicht. Solange die Unterlagen fehlen, ist jede Behördenanfrage ein Risiko. Neunzig Tage entsprechen dem Lieferantenzyklus plus zwei Wochen Puffer für Nachbesserung.

Die Phasengrenzen sind durchlässig

Behandeln Sie die 30-Tage-Marken als Orientierung, nicht als harte Tore. Die in Phase 1 begonnene Lieferantenansprache erzeugt Antworten über die gesamte Phase 2; in Phase 2 begonnene Entwürfe laufen in Phase 3 weiter.

02 · Die zwölf Wochen

Woche 1 — Portfolio-Aufnahme

Vollständige SKU-Liste aus ERP, PIM oder der Stammtabelle exportieren. Jede SKU mit Absatzmärkten, Verpackungszusammensetzung und Lieferant kennzeichnen. Vorläufige Typgruppen nach gemeinsamer Zusammensetzung, Format, Funktion und anwendbaren Artikeln bilden.

Ergebnis: Tabelle mit acht Pflichtspalten. Ein 400-SKU-Portfolio löst sich typischerweise in 25 bis 40 Verpackungsarten auf.

Woche 2 — Prüfung auf Artikel 21

Für jede SKU prüfen, ob Ihre Marke auf der Verpackung steht. Eingeführte SKUs mit eigener Marke sind Artikel-21-Auslöser und verschieben die Herstellerrolle zu Ihnen — unabhängig davon, wer produziert.

Ergebnis: Liste der Artikel-21-SKUs, getrennt von den selbst hergestellten.

Woche 3 — Lieferantenansprache

Vorlagenschreiben für fünf Standardfälle entwerfen: PFAS-Prüfzertifikat, Chain-of-Custody zum Rezyklat, Bewertung der Recyclingfähigkeit, Zusammensetzungserklärung, Bestätigung des Methodencodes.

Erste Charge nach Risiko priorisiert versenden: Lebensmittelkontakt und Mehrschichtverbunde zuerst, monomateriale Verpackung zuletzt. Zwei Wochen Antwortfenster, Erinnerung nach vier Wochen.

Ergebnis: 50 bis 100 Anfragen mit Rücklaufverfolgung.

Woche 4 — Abgleich mit nationalen Systemen

Registrierungen prüfen. Deutsche Hersteller führen den LUCID-Abgleich mit der ZSVR — die PPWR überlagert das VerpackG, sie ersetzt es nicht.

Ergebnis: Registrierungsstatus je Markt bestätigt; abgelaufene Registrierungen parallel zur PPWR-Arbeit in die Nachbesserung.

Wochen 5–6 — Einstufung je SKU

Worst-of-Methodik aus Anhang II je Verpackungsart anwenden. Jede Art in Komponenten zerlegen, je Komponente einstufen, die niedrigste Klasse übernehmen. Rezyklatanteil gegen die Chain-of-Custody-Daten prüfen. PFAS-Zertifikate gegen EN 17681 prüfen.

Ergebnis: Klassenkennzeichnung je Art (A, B, C oder technisch nicht recyclingfähig); nicht recyclingfähige Arten in die Umgestaltungsprüfung.

Woche 7 — Methodencodes (Feld 7)

Feld 7 ist das am häufigsten beanstandete Feld. Codes je anwendbarem Artikel zuweisen: EN-17681-Verweise für Artikel 5, RecyClass-Codes für Artikel 6, EuCertPlast oder gleichwertig für Artikel 7.

Ergebnis: Methodencode-Karte je Art mit versionierten Normverweisen.

Woche 8 — Entwürfe der Erklärungen

Erklärung nach Anhang VIII je Verpackungsart entwerfen — typischerweise 25 bis 40 Dokumente. Den Standardsatz in Feld 6 wortgleich aus der Verordnung übernehmen.

Ergebnis: 25 bis 40 Entwürfe, Felder 1 bis 11 vollständig, Feld 12 unterschriftsbereit.

Woche 9 — Risiko-Übersicht

Portfolio gegen den Bußgeldrahmen je Mitgliedstaat abbilden. Höchstexponierte Arten identifizieren: Lücken in Feld 7, nicht recyclingfähige Arten, fehlende Rezyklatzertifikate.

Ergebnis: Risiko-Dashboard mit Expositionskennzeichnung je Art.

Woche 10 — Probeprüfung

Das interne Team simuliert eine Behördenprüfung. Zehn zufällige Arten ziehen, Erklärung und vollständige technische Dokumentation anfordern, die Antwortzeit messen. Die 10-Tage-Fähigkeit real testen.

Ergebnis: Prüfbericht mit nach Schwere geordneten Feststellungen.

Woche 11 — Nachbesserung

Die in der Probeprüfung aufgedeckten Lücken schließen. Letzte Lieferantennachfassungen, letzte Methodencode-Prüfungen, Entwürfe aktualisieren.

Ergebnis: vollständig audit-grade Bestand an Erklärungen.

Woche 12 — Produktivsetzung

Erklärungen unterzeichnen. Aufbewahrungsarchiv aktivieren (5 Jahre Einweg, 10 Jahre Mehrweg). Laufende Überwachung für Spezifikationsänderungen, Lieferantenwechsel und Methodenaktualisierungen einrichten.

Hier endet der Sprint — und die Phase der laufenden Compliance beginnt.

03 · Fünf Fehler mitten im Sprint

1 · Lieferantenansprache zu spät gestartet. Der Zyklus läuft zwei bis sechs Wochen; wer in Woche 5 beginnt, hat in Woche 8 keine Daten. → In Woche 3 versenden, nicht später.

2 · Alle Lieferanten gleichzeitig angeschrieben. Der Rücklauf kommt ungeordnet und die kritischen SKUs gehen unter. → Nach Risiko priorisieren.

3 · Feld 7 auf später verschoben. Es ist das am häufigsten beanstandete Feld und hängt an Lieferantendaten, die Vorlauf brauchen. → Parallel zu Woche 5–6 beginnen.

4 · Phase 1 zu früh als abgeschlossen verbucht. Siehe oben: durchlässige Grenzen.

5 · Keine Probeprüfung. Ohne sie zeigt sich die Lücke erst, wenn die Behörde fragt — und dann laufen 10 Tage.

04 · Häufige Fragen

Ist der Plan noch relevant, wo die Frist vergangen ist?

Ja — mit verschobener Dringlichkeit. Die Pflicht gilt bereits, Behörden können jederzeit anfordern, und die Vorlagefrist beträgt 10 Tage. Der Plan ist damit kein Countdown mehr, sondern ein Aufholsprint.

Was, wenn wir noch gar nicht begonnen haben?

Woche 1 und Woche 2 zuerst — Portfolio-Aufnahme und Artikel-21-Prüfung. Ohne beide lässt sich der Umfang der Arbeit nicht beziffern.

Wie viele Erklärungen brauchen wir?

Je Verpackungsart eine, nicht je SKU. 400 SKUs ergeben typischerweise 25 bis 40.

Kann eine Beratung das abkürzen?

Sie kann die Wochen 5 bis 9 verdichten. Die Wochen 3 und 4 — Lieferantenrücklauf und nationale Registrierung — laufen in ihrer eigenen Zeit, unabhängig davon, wer die Arbeit macht.

Was ist der teuerste Fehler?

Die Probeprüfung auslassen. Sie ist die einzige Stelle, an der die 10-Tage-Fähigkeit vor dem Ernstfall getestet wird.

05 · Die Checkliste

Die 21-Punkte-Bereitschafts-Checkliste deckt Artikel 5, Artikel 6 und die Konformitätserklärung ab — genau die Punkte, mit denen Prüfer beginnen.

Weiterführend